Von dem Fischer un syner Fru
Runges Märchen · Hörgeschichte auf Platt

Philipp Otto Runge schrieb dieses Märchen 1806 auf Plattdeutsch auf – so, wie man es sich in seiner pommerschen Heimat erzählte. Durch die Brüder Grimm wurde es weltberühmt. Hier können Sie es wieder in seiner Sprache hören, erzählt von Dr. Barbara Roggow, mit Harfenklängen von Markus Thalheimer.
Hören
Manntje, Manntje, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See,
myne Fru de Ilsebill
will nich so as ik wol will.
Männlein, Männlein, Timpe Te, / Buttje, Buttje in der See, / meine Frau, die Ilsebill, / will nicht so, wie ich wohl will.
- Erzählung
- Dr. Barbara Roggow
- Harfe
- Markus Thalheimer
- Sprache
- Plattdeutsch
- Dauer
- etwa 19 Minuten
Worum es geht
Ein armer Fischer fängt einen Butt, der sprechen kann, und lässt ihn wieder frei. Seine Frau Ilsebill schickt ihn zurück ans Wasser: Der Butt soll ihr einen Wunsch erfüllen. Aus der Hütte wird ein Haus, dann ein Schloss, dann Königs-, Kaiser- und Papstwürde. Mit jedem Wunsch wird das Meer dunkler und unruhiger. Als Ilsebill schließlich werden will wie der liebe Gott, sitzen beide wieder in ihrer alten Hütte.

Die Erzählerin: Dr. Barbara Roggow
Barbara Roggow hat die Wolgaster Museen über Jahrzehnte geprägt. Sie studierte Museologie in Leipzig, war bis 1987 Museumsleiterin in Wolgast und leitete von 1995 bis 2019 die Wolgaster Museen – das Stadtgeschichtliche Museum, das Runge-Geburtshaus, die Eisenbahnfähre und die Kapelle St. Gertrud. Gemeinsam mit der Stadt gründete sie Runges Personalmuseum, das 1997 eröffnete. Zu Runges 240. Geburtstag 2017 erhielt das Haus unter ihrer Leitung eine neue Dauerausstellung: unten Runges Leben, oben seine Farbenlehre, „Wir Drei“, seine Märchen und Scherenschnitte.
2018 erhielt sie den Kulturpreis der Stadt Wolgast. Mit dieser Aufnahme gibt sie Runges Märchen an Wolgast zurück – in der Sprache, in der er es aufgeschrieben hat. Die Neugestaltung des Rungehauses zum Jubiläumsjahr 2027 baut auf dem Fundament auf, das sie gelegt hat.
„Das Haus ist der museale Gegenstand und das zeigen wir.“
Barbara Roggow zur Wiedereröffnung des Rungehauses, Juli 2017
Die Musik: Markus Thalheimer

Markus Thalheimer ist Soloharfenist der Neuen Lausitzer Philharmonie Görlitz und gründete 2021 den Görlitzer Meisterkurs für Harfe. Er studierte an der Hochschule für Musik Würzburg. Für diese Hörgeschichte spielte er die Harfenklänge ein, die Barbara Roggows Erzählung begleiten.
Runge und das Märchen
- 1806
- Runge schreibt das Märchen auf Plattdeutsch nieder und schickt es mit einem Brief vom 24. Januar an den Verleger Johann Georg Zimmer. Er verlegt die Geschichte an die Küste bei Wolgast.
- 1808
- Über den Kreis um Achim von Arnim gelangt die Handschrift zu den Brüdern Grimm; Wilhelm Grimm schreibt sie ab.
- 1812
- Die Grimms drucken das Märchen als Nr. 19 ihrer „Kinder- und Hausmärchen“. Von dort geht es um die Welt.
Runge hat zwei Märchen aufgezeichnet: dieses und „Von dem Machandelboom“. Er hat sie nicht erfunden, sondern festgehalten, was erzählt wurde – und ihnen dabei seine eigene Sprache gegeben.
Verstext nach der Grimm’schen Fassung „Von dem Fischer un syner Fru“. Hochdeutsche Übertragung des Verses: gängige Übersetzung. Zitat Barbara Roggow nach dpa, 21.07.2017.
